Wustis Blog

Der Blog über Tobias Wust und seine Reise

Lange fahrt nach Brisbane

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Mein Anhalter Schild

Mein Schild um nach Brisbane zu kommen

Nach meiner wundervollen Zeit im Buschcamp will ich nach Süden. Mein erklärtes Ziel ist Brisbane. Mein guter Freund Fabi, der ein Jahr in Australien war, hat mir von einem Hostel erzählt. Dort will ich hin. Außerdem habe ich den optimistischen Traum in der großen Stadt einen Job für ein paar Wochen zu finden, um meine Finanzen aufzubessern. Doch erst muss ich irgendwie dort hin kommen. Das sind von Mackay immerhin noch etwa 1000km. Meine letzte Nacht in Mackay kann ich wieder bei Max verbringen. Am nächsten Morgen ist Max so nett mich ein wenig aus der Stadt raus, an den Highway zu bringen. Dort fängt meine lange Tour nach Brisbane an. Fast 1000km sind es noch. Ob ich das in einem Tag schaffe? Oder zwei? Oder drei?

Zunächst warte ich zwei Stunden, bis mich der erste mit nimmt. Er will aber nicht weit. Er bietet mir an, mich in die nächste Stadt mitzunehmen. Sarina. 40 von 1000km geschafft. Wieder zwei Stunden warten, ehe mich wer mit nimmt. Ein kurioser Hippie mit Dreadlocks, der einen Kleintransporter fährt und erst seine Machete vom Beifahrersitz weg stecken muss, ehe ich einsteigen kann. Auch er kann mich nicht weit bringen. Er bringt mich an das andere Ende von Sarina, wo eine Tankstelle ist. Bei der Tankstelle esse ich Mittag. Es gibt einen ganzen guten Burger zu einem fast fairen Preis. Dann geht es wieder ans Warten und Leute Ansprechen.

Wieder muss ich Stunden warten, ehe sich jemand findet. Es ist heiß aber immerhin gibt es an der Tankstelle einen Wasserhahn. Zwei oder drei Stunden vergehen wieder. Den utopischen Plan heute noch nach Brisbane zu kommen gebe ich auf. Mein neu erklärtes Ziel für heute ist Rockhampton. Das ist auf halber Strecke. Irgendwann nimmt mich ein Bauarbeiter auf dem Heimweg mit. Er will aber nicht bis Rockhampton. Er will nur nach Carmilla. Irgendwo mittendrin. Er sagt mir aber, dass es dort eine Tankstelle am Highway gibt, von der aus ich weiter fahren könnte und wenn das nichts wird, könne ich bei ihm schlafen. Immerhin habe ich mit Carmilla schon 120km geschafft. Aber wenn das so weiter geht komme ich nie in Brisbane an.

In Carmilla gehe ich wieder zur Tankstelle. Spreche jemanden an „Hallo, fahren sie Richtung Rockhampton?“ – „Ja wieso, willst du mitfahren?“ Das ist mir noch nie passiert. Der erste, den ich anspreche will mich mitnehmen. Er sei müde und könnte die Gesellschaft vertragen, um wach zu bleiben. So schaffe ich die nächsten 250km bis nach Rockhampton, wo wir im Dunkeln ankommen. Ich gehe ins YHA-Hostel. Morgen geht es weiter nach Brisbane. Hoffe ich.

Morgens um 9 in Rockhampton. Einen Bus Stadtauswärts gibt es laut Rezeption nicht. Also folge ich der Straße Richtung Süden zur ersten Tankstelle. Und wieder stehe ich da. Stehe und Warte. Spreche Leute an, halte den Daumen hoch, versuche immer zu Grinsen und zu Lächeln. Drei Stunden vergehen. Und nichts passiert. Muss ich etwa noch eine Nacht in Rockhampton verbringen? Oder sogar einen teuren Greyhoundbus nehmen?

Irgendwann greife ich zu Trick 17. Ich gehe in den Tankstelle und Frage nach ein paar Blatt Papier. Einen Edding habe ich im Rucksack. Ich schreibe in großen Buchstaben Brisbane auf ein Schild und mache noch einen freundlichen Smiley dazu. Wenn das die Leute nicht überzeugt!

Peters Wagen

Peters Wagen

Wieder stehe ich lange da. Halte mein Schild und meinen Daumen hoch. Plötzlich ruft jemand aus einem großen roten Nissan Allradwagen auf der anderen Straßenseite „Hast du einen Führerschein?“. Auf meine Antwort wendet er. Er ist wohl schon an mir vorbeigefahren, hat überlegt und ist umgekehrt. Es stellt sich Peter vor. Peter ist auf dem Weg nach Brisbane. Er wohnt dort. Letzte Nacht musst er aus irgendwelchen Gründen draußen schlafen. Jetzt ist er Müde und hätte mich gerne, um ihn zwischendurch mit der Fahrt abzulösen. Perfekt! Ich bin zwar noch nie mit einem so großen alten Auto und auch nicht auf der linken Seite gefahren. Aber das wird schon klappen.

Peter und ich verstehen uns super. Er kommt regelmäßig nach Deutschland. Warum? Wacken! Jawohl. So unterhalten wir uns die nächsten Stunden über unsere guten Wackengeschichten. Dann bin ich mit fahren dran. Schalthebel Links, Kupplung Links, Gas Rechts, Blinker Rechts, Schweibenwischer Links. Alles klar. Rückwärtsgang einlegen, Ausparken und rauf auf den Highway. Kein Thema.

Peters Wagen von hinten

Peters Wagen von hinten

Wir fahren und fahren. Es ist doch recht weit bis Brisbane und in Australien mögen die Baustellen genau so sehr wie in Deutschland. Nach einigen Stunden Fahrt lädt Peter mich irgendwo zu einer Pizza ein, dann ist wieder Fahrerwechsel. Geschafft! Gegen 22:00 kommen wir in Brisbane an. Peter bringt mich bis zu meinem Hostel, das ich vorher schon telefonisch reserviert habe und ich lade ihn ein, mich anzurufen, wenn er wieder in Wacken ist. Dann trinken wir einen zusammen.

Nur zwei Tage von Mackay nach Brisbane und das umsonst. Sogar eine Pizza habe ich gekriegt. Warum nehmen da Leute überhaupt Greyhoundbusse?

Was waren eure weitesten Strecken per Anhalter?

 

2 Kommentare

  1. So ist das Leben, mal scheint garnichts zu gehen und dann geht es plötzlich auf einen Schlag vorwärts…der Durchschnitt macht dann das Ergebnis und nicht den Humor und die Gelassenheit verlieren
    lg Gruß
    Susi Sorglos Potsdam

  2. Recht hast du. Per Anhalter fahren ist eine gute Übung, um gelassen zu werden. Was ist sind schon 10 Minuten Zugverspätung? 😀

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