Wustis Blog

Der Blog über Tobias Wust und seine Reise

Von Flügen, Bergen, Wüsten und Unfällen

| 1 Kommentar

28.9.2012 : 18:22

Ich sitze gerade in einem Mietwagen irgendwo in Oman. Mein Flug nach Indien geht morgen früh 10 Uhr. Vor mir ist ein riesiger Canyon und hinter mir eine Autobahn. Da ich nun schon ein paar Tage nichts mehr schreiben konnte, will ich einmal ausführlich berichten, wie ich hierher gekommen bin.

Meine Reise hierher begann mit einem Flug von London nach Muscat in einem Airbus A330. Bisher das größte Flugzeug in dem ich saß. Zunächst war ich wegen des Omans recht nervös, weil ich keine genauen Pläne hatte. Ich habe schon am Flughafen einige Leute angequatscht, die „normal“ aussahen, die waren aber alle nur zur Durchreise. Der Flug war höchstluxuriös. Jeder Platz war mit einem Computer ausgestattet, auf dem viele auch topaktuelle Filme (Avengers, Lorax), diverse Serien (Simpsons, How i Met your Mother) und eine Spiele waren. Der Flug hatte insgesamt eine Strecke von 5839km. Also war reichlich Zeit einen Film zu sehen. Es hätte wohl auch Wifi an Board gegeben. Ich hatte meinen Laptop aber nicht im Handgepäck und konnte das nicht probieren. Nächstes Mal!

Neben mir saß ein älterer Schotte, dessen Namen ich aber schon wieder vergessen habe. Er sei auf der Durchreise nach Kambodja, um dort einen alten Freund zu besuchen. Er fliege oft und finde, das Oman Air eine der besten Airlines gibt. Das reiche Multimediaangebot hat das ja schon bekräftigt. Nach Abflug erstreckte sich auf dem Boden ein wundervolles riesiges Panorama aus millionen von Lichtern. Von innen sah London garnicht so groß aus wie von oben. Schon nach kurzer Zeit wurde uns das Menü für das Abendessen serviert. Als Vorspeise soll es leichten Kartoffelsalat mit geräuchertem Lachs geben. Zum Hauptgang stehen zur Auswahl: Hühnerbrust mit Pilzkruste, Gerösteter Lachs oder vegetarische Lasagne. Als Dessert Fruchtkuchen mit Vanillesoße. Leider wurde das Essen noch nicht serviert.

Schlafsocken von Oman Air

Um mir die Zeit zu vertreiben habe ich mir im Sitzcomputer „Der Lorax“ angesehen. Eine verfilmte Geschichte von Dr. Seuss (der auch den Grinch erfunden hat) über eine Zukunft, in der es keine Bäume mehr gibt. Ein ganz süßer Film, aber nicht unbedingt sehenswert. Für einen Flug aber leicht verdauliche Kost. Hat mit gut gefallen. Inception und ähnliches war auch im Programm, aber das hätte mein Gehirn zu der Zeit nicht mitgemacht. Zwischendurch wurde man immer wieder von den Flugbegleitern verwöhnt. Regelmäßig wurde nach Getränken gefragt, es gab eine kuschelige Decke (die ich am Ende direkt mitgenommen habe), ein Kissen und ein „Schlafset“ bestehend aus einer Zahnbürste, Zahnpasta, einer Augenmaske, Ohrenstöpsel und Schlafsocken zum drüberziehen. Die Socken haben ihre Weg zu meinen Füßen schnell gefunden. Ohne Schuhe sitzt es sich gleich besser.

Abendessen bei Oman Air

Dann endlich noch während des Films wurde das Essen serviert. Alles war wie beschrieben. Noch dazu gab es Brot, Cheddar, Butter, einen Keks und Wasser. Den Keks, die Butter und den Käse habe ich mir als Notproviant eingesteckt. Das restliche Essen war überaus köstlich. Da freute ich mich schon auf den nächsten Flug mit Oman Air. Irgendwann nachdem das Essen gegessen und der Film zuende war habe ich mich auch zugedeckt und geschlafen so gut es ging.

In Oman angekommen habe ich mir ein Taxi genommen, mit dem ich zum preiswertesten Hotel der ganzen Gegend gefahren bin. Schon unterwegs habe ich mir gedacht, dass das eine schlechte Entscheidung war. Das Land ist total weitläufig. Wir sind knapp 15 Minuten über eine Autobahnähnliche Straße gefahren, ehe wir dort waren. Am Ziel angekommen stehen direkt drei Hotels vor mir. Nach ein wenig hin und hergehen und nachfragen gehe ich in das preiswerteste für etwa 30€ für Übernachtung und Frühstück. Wucher! Das Zimmer ist aber okay. Es hat ein Bett, eine Dusche, Klimaanlage, Deckenventilator, Kühlschrank, TV und einen Balkon. Das Hotel ist gegenüber eines Hafens, an dem ein großer Luxusliner und scheinbar ein Kriegsschiff anliegen. Die Aussicht ist also auch okay.

Nachdem ich meine Sachen abgeladen habe frage ich den Rezeptionisten, wo der nächste Supermarkt sei. Da komme man zu Fuß nicht hin meinte er. Außerdem sei es viel zu heiß und ich solle lieber ins Restaurant gehen. Nach etwas nachhaken sagte er, dass ich nur etwa eine halbe Stunde einer Straße folgen müsste. Gut es sind zwar etwa 40°C aber letzter Jahr in Marokko bin ich auch bei 60° gewandert. Also Abmarsch. Die Gelegenheit nutze ich gleich mir wenig die Gegend anzusehen. Ich hab auch überprüft, ob ein Bus zum Flughafen fährt. Aber leider war das nicht der Fall. Auf dem Weg zum Supermarkt komme ich an einer Tankstelle vorbei. Super kostet nur etwa 24cent. Schnäppchen. Das erklärt auch, warum es so wenig öffentliche Verkehrsmittel gibt. Stattdessen ist mitten in der Stadt eine 3 spurige Straße mit Autobahnqualität. Hier scheint wohl jeder nur Auto zu fahren. Insgesamt wirkt hier alles wie aus dem Boden gestampft. Überall sind Baustellen, wo neue Gebäude hochgezogen werden. Auch der Flughafen war umgeben von einer riesigen Baustelle, der wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich enorm vergrößert. Der Supermarkt selbst ist ziemlich unspektakulär. Genau wie hier, normale Preise. Also kaufe ich Wasser und etwas essen.

Blick vom Wanderweg nach hinten

Enttäuscht, dass ich vom Hotel aus eigentlich nichts erreichen kann, studiere ich genau meinen Reiseführer vom Oman, ob es nicht doch etwas in der Nähe gibt und entdecke tatsächlich einen Wanderweg. Er ist etwa 6km lang und führt durch die nahegelegenen Berge. Schnell geduscht und wieder abmarschiert. Ein Schild, auf dem der Wanderweg angekündigt worden ist, habe ich vor Ort gefunden. Aber der Weg selbst? Ich weiß nicht wie lange genau aber gefühlt eine Stunde bin ich durch omanische Wohngebiete gelaufen und habe einen Weg in die Berge gesucht. Auch auf Nachfrage konnte mir niemand weiterhelfen. Nachdem ich das Schild mit der Wegbeschreibung zum 9991231240mal angesehen habe, beschließe ich den Rundweg einfach in die andere Richtung zu starten. So geht es erst ein ganzes Stück die Straße entlang und auf der anderen Seite der Berge finde ich endlich den Weg. Ich mache mir zwar sorgen, weil ich nicht weiß wie lange es noch Hell bleiben wird, aber mein Instinkt sagt, dass das klappt.

Der Weg ist ganz schön er habe laut Schild etwa 150 Höhenmeter. Es ist ein einfacher steiniger Pfad bis zum Gipfel eines der Berge, von wo aus man auf den Hafen sehen kann. Irgendwas stand auf dem Schild auch von „größte Ophiologformation der Welt“ oder so ähnlich. Also bestimmt für Geologen ganz ganz toll. Unterwegs treffe ich ein altes, dem Slang nach amerikanisches Ehepaar, das den Weg auch geht. Aber mit einem deutlich langsameren Tempo als ich. Sie wohnen im Oman und erzählen mir von einem alten Bergdorf, dessen Grundmauern noch zu sehen seien. Also lasse ich ein Foto von mir machen und gehe weiter. Außerdem bin ich beruhigt, wenn ortskundige so langsam hier langgehen werde ich es auch noch im hellen schaffen. Mit Einbruch der Dunkelheit zwischen 18 und 19 Uhr bin ich im Hotel und beschäftige mich den Rest des Abends mit einigen Filmen auf meinem Laptop und sitze noch eine Weile auf dem Balkon, wo ich irgendein fremdes Wlan gefunden habe, in das ich mich einlogge.

Mein Toyota Yaris

Nächster Tag neues Glück. Ich fahre mit dem Taxi zurück zum Flughafen. Dort will ich mir ein Auto mieten um an den Wüstenrand zu fahren. Ich kriege für 17€ (15+Versicherung) einen Toyota Naris. 200km sind frei, danach kostet es pro 100km etwa 10€ mehr. Ich mache mich auf den Weg und bin erstaunt, wie schnell aus den vielen neuen Gebäuden ein ewiges Nichts wird. Umgeben von scheinbar unendlich vielen Berger und ewig weiter Steppe fahre ich Stundenlang. Dass die 200km nicht reichen ist mir jetzt schon klar. Ich hätte aber so geschickt sein sollen, in Muscat nochmal zu tanken. Voller Nervenkitzel bange ich darum, dass endlich die nächste Tankstelle kommt, die ich dann auch glücklicherweise erreiche. Vor Ort passiert aber der Worst Case. Ich komme beim Rückwärtsfahren gegen einen LKW, der sich unerhört angeschlichen hat. Wir begutachten den Schaden. Eigentlich ist nur ein wenig Lack von meinem Heckflügel abgeplatzt. Doch nach Studium meines Mietvertrages lese ich, dass für each and every accident, also jedem einzelnen Unfall, 100 Rial also etwa 200€ zahlen muss. Das vermiest mir natürlich enorm die Stimmung. Aber ich tanke für Preiswerte 10€ voll, fahre weiter und heitere mich mit dem Gedanken auf, dass ich bestimmt irgendwann darüber lachen kann..

Schaden am Auto

Die Fahrt ist doch weiter als ich dachte. Meine Straße ist die einzige asphaltierte weit und breit. Immer mal gibt es abfahrt auf gammlige, schotterige Wege, die angeblich irgendwann in einem Dorf enden. Unterwegs sehe ich den ersten echten kleinen Wirbelsturm meines Lebens. Die Windhose sieht genau aus wie im TV nur kleiner. Vielleicht 1m Durchmesser und 3m Höhe. Nach langer Fahrt durch die weitesten Landschaften, die man sich vorstellen kann, komme ich endlich am Rande der Sanddünen an. Verrückt, wer da durchgeht. Das ist doch ein Plan für die Zukunft. Es gibt ja so Beduinen, die Touristen durch die Wüste begleiten. Ich sitze in meinem Auto und Blicke auf die Wüste. Dabei merke ich, wie ein sandiger Wind aufkommt. Deshalb beschließe ich weiterzufahren. Man weiß ja nie. Nach wenigen Kilometern hat sich der seichte Wind in

Sieht aus wie Nebel, ist aber Sand

einen starken verwandelt und die Sicht reicht nicht weiter als ein paar Meter. Ich fahre also ganz vorsichtig. Nach kurzer Zeit entdecke ich ein Auto, das mit Warnlicht auf dem Seitenstreifen steht. Da denke ich: der wird schon wissen, was er tut, und stelle mich dazu. Als er langsam weiterfährt, fahre ich im gleichen Tempo auch mit Warnblinker hinterher. Hin und wieder halten wir nochmal am Seitenstreifen. Wenn der sich nicht verfolgt gefühlt hat… Irgendwann komme ich wieder in die Berge, wo der Wind nicht mehr ankommt. Nun sind die Berge aber nichtmehr umgeben von Steppen, sondern zwischen ihnen winden sich hier große Canyons. Bald komme ich in Sur an von wo aus ich die Autobahn nach Muscat zurück nehmen will.

Am Canyon

Unterwegs habe ich natürlich immer wieder an meinen Unfall und das viele Geld denken müssen. Ich hab natürlich auch überlegt, wie ich mich aus der Sache heraus schummeln kann. Mein erster Plan war zu versuchen das mit weißen Nagellack abzudecken. Aber ich habe keinen dabei und bis ich hier welchen gefunden habe, sind die 200€ auch für überzogene Kilometer und Benzin draufgegangen. Außerdem weiß ich nicht, wie schlimm so ein „Vertuschungsversuch“ ist. Mein nächster und aktueller Plan ist folgender: Ich hatte ja sowieso vor im Auto zu schlafen. Darum stehe ich nun hier am Autobahnrand und blicke auf Canyons. Hier versuche ich bald ein wenig zu schlafen. Aber nun der tricky Trick. Ich gebe das Auto so gegen 3 oder 4 Uhr Nachts zurück und hoffe, dass der Autovermieter total übermüdet ist und oder die Dunkelheit mir hilft, dass er den Schaden bei der Fahrzeugübergabe übersieht falls er mich darauf anspricht kann ich ja immer noch sagen, dass ich nicht weiß, wann oder wie das passiert ist. Ich bin jetzt 426km gefahren. Und ich denke gute 80 liegen noch vor mir. Ich bin dann also 300km über dem Limit. Das macht also für Miete 34Euro, 15 für überzogene Kilometer, 10 für Benzin und 200 für den Unfall. 260 Euro für einen Tag. Ein teures Vergnügen. Zum Glück habe ich Puffer. Aber oft kann ich mir sowas nicht leisten.

Jedenfalls ist es nun 19:30. Ich habe also über eine Stunde an diesem Bericht hier geschrieben. Leider kann ich ihn noch nicht onlinestellen. Warum haben die Autobahnen hier kein wifi? Ich werde es aber schnellstmöglich tun. Und wenn das Netz irgendwann mal wieder gut sein sollte kommen natürlich auch Fotos zu den Texten.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Das Glück der Dummen | Wustis Blog

Kommentar verfassen