Wustis Blog

Der Blog über Tobias Wust und seine Reise

Frieden und Drachensteigen in Bega

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Bunter Drachen in Bega

Bunter Drachen in Bega

Und da bin ich nun. Nach einer langen Reise mit den quasi gleichen Leuten und ohne eigene Verantwortung wieder auf meinen eigenen Beinen. Keiner mehr, der mir sagt, wann ich wo sein soll, in welchem Hotel ich schlafe oder welche Aktivitäten ich mache. Zum Mount Kosziousko soll es nun gehen. Der erste meine Seven Summits. Es wird wieder per Anhalter gefahren und ich lande im wohl schönsten Hostel, das ich in Australien gesehen habe. 

Ganz alleine. Ganz alleine? Nicht ganz. Wie der Zufall es so will lande ich in meinem ersten Hostel in Sydney in einem Zimmer mit Maria. Maria hatte ich in Brisbane beim feiern kennengelernt und sie hat mich einen Tag zum Parkour begleitet. Und noch einen Zufall gibt es in Sydney: Dimi ist wieder in Sydney. Der Parkourboy, mit dem ich auch schon viel in Brisbane verbracht habe. Australien ist doch ein Dorf. Also feiere ich einen Abend mit Maria und Dimi. Am Tag darauf mache ich mich auf meine eigenen Socken. Auf zum Kosciuszko!

Das gemütlichste Hostel Australiens?

Ich will wieder per Anhalter fahren. Kosten gering halten. Grashoppertravel war teuer genug. Auf Hitchwiki kriege ich den guten Hinweis, mit dem Zug nach Heathcote zu fahren. Das ist ein wenig ausserhalb der Stadt und der Bahnhof liegt direkt am Highway Richtung Melbourne. So weit will ich zwar nicht. Trotzdem Perfekt für meine Pläne.

Das Hostel in Bega

Das Hostel in Bega

Die Fahrt läuft relativ Routiniert für mich ab. Zuerst kriege ich eine Fahrt nach irgendwo mitten auf der Strecke und werde bei einem McDonalds rausgelassen. Mittag. Und nächste Weiterfahrt bis nach Bega. In Bega finde ich das Hostel. Es ist ein aus Lehmziegeln selbstgebautes altes Haus vor einer großflächigen Wiese. Die Tür ist nicht verschlossen aber es ist niemand im Gebäude zu finden. An der Rezeption finde ich eine Telefonnummer vom Manager. “Ich bin gerade Abendessen. Schnapp dir ein Bett in dem und dem Zimmer. Ich komm dann irgendwann.”

Eingang ins Hostel

Eingang ins Hostel

Von Innen ist das Hostel noch interssanter als von außen. Es wirkt ein bisschen, als wäre überall Krämpel. Aber es irgendwie Krämpel mit Charme. Ein alter Fernseher mit eine Sammlung Videokassetten. Schallplatten. Eine große Küche. Rucksäcke die in den Giebeln hängen. UND: das Bett. Mein Zimmer ist leer. Keiner da außer mir. Fünf Betten sind im Zimmer. Eins ist kuscheliger als das nächste. Selbst auf meiner Grashoppertour war ich wohl in keinem so kuscheligen Bettchen. Dazu kommt in dem Gebäude dieser Geruch. Ich weiß nicht welcher Geruch es ist. Es mag das alte Gebäude sein oder die Komposition von Krämpel. Aber irgendwie erinnert mich der Geruch des Gebäudes an meine Großeltern. Insgesamt fühlt es sich hier weniger wie ein Hostel an, als ein Besuch bei den Großeltern.

Krämpel oder Schätze?

Krämpel oder Schätze?

Noch mehr davon

Noch mehr davon

Mein Bett in Bega

Mein Bett in Bega

Dann kommt auch schon der Rezeptionist, dessen Namen ich zu meiner Schande schon vergessen habe. Es ist ein geschätzt 200 Jahre alter kauziger Mann. Er fragt wie lange ich bleiben will. Er trägt mich in sein Buch ein. Ich drücke ihm das Geld in die Hand. Eine Kasse oder einen Computer gibt es dafür nicht. Wo wir bei Computern sind: Eine der ersten Fragen von dem freundlichen Opa: Kannst du mit Computern umgehen? Ehrlich Antworte ich, dass das mein Beruf ist. Dann fangen die Klagen über seine Computer an. Neben üblichen Problemen will ich eine kuriose aber vielleicht unnheimlich Weise Aussage einmal wiedergeben. Er fühle sich, als würde sein Ipad Sachen aus seinem Gehirn löschen. Humbug oder gute Interpretation von der multimedialen Verdummung?

Es ergibt sich jedenfalls, dass ich ihm mit seinen Computern ein wenig helfe. Dafür bietet er mir an, eine Woche kostenlos zu bleiben. So viel Zeit habe ich zwar nicht, aber eine Nacht mehr kann nicht schaden.

Drachensteigen in Bega

Wunderschön und selbstgemalt

Wunderschön und selbstgemalt

Viel Betrieb ist nicht im Hostel. Bega ist nicht unbedingt eine Stadt, in die Leute gehen. Hier wird Käse gemacht. Sonst gibt es wohl nichts. Außer Ruhe und Gemütlichkeit. Eigentlich doch ein guter Grund, hierher zu kommen? Weg vom Trouble der Großstädte und Massenhostels. Ich genieße es. Außer mir ist nur eine andere Gruppe im Hostel. Vier ältere Leute, die einem Drachenverein angehören. Ja Drachen. Die, die wir als Kinder alle geliebt aber seit Zehn Jahren nichtmehr angeguckt haben. Sie basteln und bemalen eigene Drachen, Veranstalten einmal im Jahr ein “Festival der Winde” und sind jetzt in Bega, weil ein Mitglied ihres Vereins aus Bega schlimm erkrankt ist und sie zur ihrer Ehren Drachen steigen lassen wollen. Ich bin eingeladen. Wir gehen auf die große Wiese hinter dem Hostel. Hier lassen wir den ganzen Tag wunderschöne Drachen steigen. So der Wind es zulässt. Es könnte keine bessere Ergänzung zu diesem friedlichen Fleckchen Erde geben.

Drachen in der Luft

Drachen in der Luft

Beim Drachensteigen

Beim Drachensteigen

Handgenähter Tulpendrachen

Handgenähter Tulpendrachen

Wann habt ihr das letzte mal einen Drachen steigen lassen?

2 Kommentare

  1. Puhhh … 2,3 Jahre ist das jetzt schon her. Eine Schande eigentlich, weil gerade an der Nordsee der Wind so schön stark ist, dass man sich richtig in die Seile legen kann : )

  2. Letztes Jahr mit meinen Kindern 🙂 hat irre Spass gemacht

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