Wustis Blog

Der Blog über Tobias Wust und seine Reise

Yogyakarta und das Local Life

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Borobudur

Die oberste Etage von Borobudur

Bisher bin ich mit Indonesien noch nicht so richtig warm geworden. Aber vielleicht ändert sich das ja in Yogyakarta? Yogya soll einer der Hauptziele für Touristen in Java sein. Irgendwas muss es dort also geben. Über die Busfahrt(en) will ich gar nicht so viel schreiben. Ich könnte in Indonesien wohl jeden Artikel damit beginnen, wie kacke es ist zum nächsten Ort zu kommen aber das will ja auch keiner lesen. Es sei nur so viel gesagt: Ich komme 2 Uhr Nachts in Yogya an.

Ankunft in Yogya und Zimmersuche

Man kommt natürlich nicht im Zentrum an. In Indonesien ist der Trick, die Bushaltestellen immer ein Stück stadt-auswärts zu bauen. Nachts um 2 fährt außerdem kein Bus mehr und so bin ich gezwungen mich zum Wucherpreis von einem Mopedtaxi zur Sorsa-Road fahren zu lassen. Das ist da, wo die Touris wohnen. Wo die billigen Unterkünfte sind. Unterkünfte? Reserviert habe ich keine. Also geht es mitten in der Nacht auf Zimmersuche. Das ist in der Nacht besonders toll. Man muss die Leute hinterm Tresen wecken, damit die einem genervt einen Preis sagen. Der ist zu teuer und man geht. Viele Unterkünfte sind außerdem voll. So wird es eine beschwerliche Suche, bis ich nach langer Rennerei und etlichen Verhandlungen ein Zimmer für 50000Rp kriege. Das Zimmer ist genauso kacke wie die Fahrt. Ich komme in einem dieser Nuttenzimmer unter. Wo drauße nicht einmal steht, dass es Zimmer gibt, das Bett mit Plastikfolie überzogen ist und der Raum einen sonderbaren Geruch hat. Ich schlafe nur kurz, um 9 Uhr wieder auszuchecken und eine neue Unterkunft zu finden.

Am Tag ist die Suche einfacher. Ich finde schnell eine saubere und sympathischere Unterkunft, für die ich auch nur 45000Rp pro Nacht bezahle.

Sightseeing mit Sutardi. Wie Saturday.

Theaterstück vor den Ruinen

Bei einem kuriosen Theaterstück vor den Ruinen spielt auch ein Angry Bird mit.

Kurzes Erholungsschläfchen, gutes Frühstück und los geht die gewohnte Erkundungstour. Südlich von der Sorso-Road soll irgendwo ein Königspalast sein, den ich finden will. Keine 10 Minuten bin ich unterwegs, da quatscht mich irgendeiner von der Seite an. “Hey, ich will dir nichts verkaufen.” Das sagen alle denke ich. Aber es spricht mich weiter. Neben mir steht ein Kerl, schätzungsweise so alt wie ich, in einem dieser furchtbaren Batikhemden, mit denen hier alle umher laufen. Er studiere Cinematografie, sei bei Couchsurfing, will Leute kennenlernen. Er bietet mir an mich herumzuführen. Aber er wolle meine Reaktionen filmen, weil er für sein Studium so eine Art Reiseführer von Yogya dreht. Ich bin zwar skeptisch aber Stimme zu.

Ruinen in Yogya

Ruinen in Yogya

Unsere erste Station ist der Königspalast. Die wollen mal wieder Eintritt und von draußen sieht man nur mauern. Nichts für mich. Für Eintritt bin ich zu geizig. Weiter geht es zu irgendwelchen Ruinen. Vor den Ruinen wird gerade ein Theaterstück aufgeführt. Oder ein Film gedreht. Eine Mischung aus beiden. Sutardi klärt mich auf, dass es dabei um eine indonesische Legende geht. Was der Angry Bird damit zu tun hat verstehe ich aber nicht. Die Ruine selbst ist ganz nett. Sie wird offenbar vor allem dafür verwendet, sich gegenseitig zu fotografieren, weil es von dort einen Blick über die Stadt gibt. Ansonsten ist die Ruine nicht sehr groß oder interessant. Man kann eigentlich auch nicht erkennen, was für ein Gebäude es gewesen ist. Mein privater Guide hat es zwar bestimmt gesagt aber da habe ich entweder nicht zu gehört oder ihn nicht verstanden.

Untergrundmoschee in Yogya

Treppen der Untergrundmoschee in Yogya

Direkt neben den Ruinen gibt es etwas ganz besonderes. Eine Untergrundmoschee. Es geht in einen Keller, in eine Art Atrium mit fünf Treppen. Fünf sei im Islam eine besondere Zahl, weil es fünf Grundregeln gibt. “Allah ist der einzige Gott” ist eine Regel. Die anderen habe ich vergessen. Um die fünf Treppen führt auf zwei Etagen ein kreisförmiger Gang. Sonst gibt es keine Räume. Stumpfsinnige Architektur.

Vogelmarkt in Yogya

Vogelmarkt in Yogya

Die Führung geht weiter. Diesmal landen wir im Birdmarket. Dieser Vogelmarkt ist wie ein Zoo. Man kann jeden erdenklichen Vogel im Käfig kaufen. Nicht nur Vögel. Auch süße kleine Miezekätzchen, Hunde und Meerschweinchen tummeln sich in den Käfigen. Auch eine große 7m Schlange und kleine giftigen Schlangen gibt es hier. Wohl jedes Tier, das man irgendwie in einen Käfig oder ein Terrarium kriegen kann. Die Tiere werden hier aber nicht nur verkauft, sie werden auch benutzt. Gestern gab es einen Hahnenkampf. Heute wird es einen Singvogel-Contest geben. Nennt mich Spießer aber mir tun die Tiere leid.

Weiter geht die Führung. Jetzt Richtung Platz. Den Namen habe ich vergessen. Aber auf dem Platz stehen zwei große Bäume und die Legende besagt, wer es schafft mit verbunden Augen über den Platz zu laufen und dabei durch die Bäume zu gehen, dessen Wünsche werden war. Ich lasse mich nicht dazu hinreißen es zu versuchen. Ich wüsste nebenbei gesagt auch nicht, was ich mir wünschen sollte. Ich begnüge mich mit dem Vergnügen zu beobachten, wie Leute, vornehmlich Damen (die haben wohl mehr Wünsche), versuchen die Quest zu erfüllen und dabei teils absolut unverständlich wirre Bahnen einschlagen.

Wunschbäume auf Platz in Yogya

Die Wunschbäume auf dem Platz in Yogya…

Blinde Kuh

… und Leute die versuchen hindurch zu gehen.

Und damit endet die Tour auch schon. Ich erzähle Sutardi, dass ich morgen nach Borobudur will. Er schlägt vor mich zu fahren. Obwohl ich immer noch ein wenig misstrauisch bin, willige ich ein. Treffen ist morgen früh 8 Uhr vor McDonalds.

Borobudur – Der größte Buddha-Tempel der Südhalbkugel

Saturi mit seinem Scooter

Sutardi mit seinem Scooter

Der Wecker klingelt Sieben Uhr. Sieben Uhr Dreißig treffe ich mich mit Olivia, die ich am Vorabend noch bei einem Bierchen kennengelernt habe. Sie reist heute zum Bromo. Schnell esse ich mein Omelett, ehe ich mich von ihr verabschiede. Vielleicht in mein verderben, vielleicht in einen hochspannenden Tag. Acht Uhr. Sutardi wartet mit seinem Scooter schon vor McD. Er schnappt sich noch ein Eis. Ich geh nochmal aufs Klo und ab geht es. Wir fahren raus aus der Stadt nach Borobudur. Zwar bin ich kein Experte für Mopeds aber ich glaube nicht, dass dieser für die 100km/h, die er fährt ausgelegt ist. Dennoch kommt es mir vor, als hätte ich einen sicheren Fahrer. Wir kommen auch lebendig an. Das ist doch das wichtigste.

In Borobudur muss ich mal wieder Eintritt bezahlen. Kriminell hohen. 20 Euro wollen die Verbrecher. “UNESCO Weltkulturerbe”. Meiner Meinung nach sollte es gerade deshalb billig zu sehen sein! Immerhin kriegt man für das Geld nicht nur den Eintritt, sondern auch ein Begrüßungsgetränk. Aus einem mache ich vier. Trinke zwei Tassen Kaffee und schnappe mir zwei Flaschen Wasser. Was wollen sie machen. Brennesselarm?

Borobudur

Saturi und ich vor Borobudur

Das Bauwerk ist für mich hochinteressant. Leider verstehe ich nicht viel von Architektur und auch mein privater Möchtegernguide weiß nur die Sachen, die auf den Infoschildern stehen. Borobudur ist eine Pyramide. Sie verfügt über keinen Innenraum. Im Inneren ist nur ein Berg (angeblich – vielleicht hat auch nur keiner den richtigen Knopf gefunden?). Die Pyramide ist in der Grundform quadratisch und verfügt über drei Ebenen. Die oberste Ebene ist jedoch nicht mehr quadratisch, sondern Kreisförmig – warum kann mir keiner sagen. An allen Wänden sind zahlreiche Abbildungen von Buddha. Nicht nur Buddha wird abgebildet, sondern es werden irgendwelche Geschichten dargestellt. Anhand dieser Darstellungen kann man rekonstruieren, wie weit die Leute (Schiffe und so) im 8. Jahrhundert auf Java waren. Auch Statuen von Buddha und von Löwen lassen sich finden. Die Pyramide ist nach Himmelsrichtungen ausgerichtet. Wie haben die das im 8. Jahrhundert gemacht? Hatten die schon einen Kompass? Oder Sterne? Nur von der Ostseite darf der Tempel begangen werden und dann, das kenne ich schon aus Nepal, wird er im Uhrzeigersinn umrundet.

Nach wenigen Stunden ist aber auch schon alles gesehen und wir brechen wieder auf. Sutardi hat mich eingeladen, zu ihm nach Hause zu fahren und seine Familie kennenzulernen. Das ist eine Chance, die man wahrnehmen muss.

Das echte indonesische Leben

Nach zwei Stunden Mopedfahrt kommen wir bei Saturi an. Das Haus wirkt für mich als Deutschen ziemlich schäbig aber es hat alles, was man zu Leben braucht. Betten, eine Kochstelle, einen Brunnen und ein Klo.

Haus von Saturis Familie

Das Haus von Sutardis Familie

Wohnzimmer mit Küche

Wohnzimmer mit Küche

Mangobaum

Frische Mango aus dem Garten

Ich werde allen vorgestellt. Familie, Freunden, Nachbarn. An der Wand hängen schon zahlreiche Bilder von Couchsurfern, die zum Beispiel bei der Hochzeit seines Bruder Gast waren. Ich rechne schon damit, dass ich dort auch bald hängen werde. Ich kriege einen Snack. Zwei Sachen zu essen. Ich habe absolut keine Idee, was es ist aber es schmeckt. Auf meine Frage, was es ist, kriege ich die Antwort: “Das wird aus asldfkjasdölkfj gemacht.” Hilft mir nicht. Nach der Stärkung fahren wir zum besten Freund von Sutardi. Auf seinem Hof pflücken wir zwei frische Mangos vom Baum und fahren zum Strand. Mit uns fahren der beste Freund und seine Freundin. Die Namen weiß ich nicht mehr. Beide sprechen auch nur schlecht Englisch und so beläuft sich unser Gespräch auf ein oberflächliches Interview. Woher? Familie? Wie Alt? Und sowas.

Der schwarze Strand bei Yogya

Der schwarze Strand bei Yogya – und keine Touristen weit und breit

Teufelsfahrer

Teufelsfahrer Wust

 

Nach dem Strand soll ich mit dem Scooter zurück zu meinem Gastgeber nach hause fahren. Etwas unsicher bin ich dabei schon. Der Scooter macht mir keine Probleme aber es ist das erste mal, dass ich selbst auf der linken Straßenseite fahre. Da muss man sich doch erst dran gewöhnen. Angekommen gibt es Essen. Sutardis Mutter hat extra meinetwegen gekocht. Reis und Nudeln. Nach dem Essen bringt mein Freund mich zurück nach Sorso und wir verabschieden uns. Ich habe am Abend leider noch viel zu tun. Ich muss meine weiterreise planen. Aber es war toll, diesen Einblick in das wahre Leben zu haben. Ich glaube nicht, dass es den Leuten hier schlecht geht. Aber ich bemerke, wie gut es uns in Deutschland geht.

 

Hättet ihr euch getraut, einem Fremden so zu vertrauen?

 

Ein Kommentar

  1. Als erstes möchte ich mich dafür bedanken, dass man auf deinem Foto zum Glück nicht viel von den armen Tieren auf dem Vogelmarkt sehen kann, sowas will ich nämlich nicht unbedingt sehen…
    Nun zu deiner Frage: Na ja, es birgt natürlich immer ein Risiko, aber im Endeffekt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. 😉 Schließlich kann einem ja auch ohne dass man solche Risiken eingeht genug passieren, warum also nicht? Und es hat sich ja scheinbar gelohnt 🙂

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